Urlaubszeit nutzen: Desk-Sharing und Hybrid im Sommer

Im Sommer steht das halbe Büro leer. Wir zeigen, wie Sie die ruhigen Urlaubswochen nutzen, um Desk-Sharing und hybrides Arbeiten einzuführen, Flächen effizient zu belegen und Fixkosten zu senken.

Im Sommer kennt fast jedes Büro dasselbe Bild: Die halbe Belegschaft ist im Urlaub, viele arbeiten hybrid von zu Hause, und doch stehen alle Schreibtische leer und werden trotzdem geheizt, gereinigt und bezahlt. Genau hier setzt Desk-Sharing an: Statt jeden Quadratmeter für eine Vollbesetzung vorzuhalten, die es real nur selten gibt, teilen sich mehrere Mitarbeitende flexible Arbeitsplätze. Wer hybrides Arbeiten im Büro ernst nimmt, nutzt die ruhigeren Sommermonate ideal, um genau diese Strukturen zu testen und einzuführen. In diesem Beitrag zeigen wir, wie Sie als KMU die Urlaubszeit nutzen, um Flächen effizient zu belegen, Kosten zu senken und ein Bürokonzept zu schaffen, das das ganze Jahr über trägt.

Warum der Sommer der ideale Zeitpunkt ist

Die Urlaubsmonate sind für viele Unternehmen die einzige Phase, in der Veränderungen am Bürokonzept kaum jemanden stören. Die Auslastung ist niedrig, Projekte laufen ruhiger, und Teststrukturen lassen sich erproben, ohne den Tagesbetrieb zu blockieren. Wer im Juli und August einen flexiblen Arbeitsplatz pilotiert, hat die Erfahrungswerte rechtzeitig, bevor im Herbst alle zurück sind.

Hinzu kommt ein wirtschaftliches Argument, das gerade kostenbewusste KMU überzeugt: Fläche ist einer der größten Fixkostenblöcke im Büro. Wenn an einem typischen Sommertag nur 40 bis 60 Prozent der Schreibtische besetzt sind, zahlen Sie für ungenutzte Quadratmeter. Desk-Sharing macht diese Lücke sichtbar und nutzbar, ohne an der Qualität der Arbeitsplätze zu sparen.

Was Desk-Sharing und hybrides Arbeiten konkret bedeuten

Desk-Sharing bedeutet, dass Arbeitsplätze nicht mehr fest einer Person zugeordnet sind, sondern bei Bedarf genutzt und gebucht werden. Üblich ist eine sogenannte Sharing-Ratio, etwa sieben Arbeitsplätze für zehn Mitarbeitende, weil nie alle gleichzeitig vor Ort sind. Hybrides Arbeiten ist die Grundlage dafür: Wenn Teile des Teams regelmäßig remote arbeiten, entsteht der Spielraum, Flächen mehrfach zu nutzen.

Wichtig ist, Desk-Sharing nicht als reines Sparmodell zu verstehen. Richtig geplant entstehen aus der gewonnenen Fläche neue Qualitäten: Fokuszonen, Besprechungsbereiche, Rückzugsorte und Begegnungsflächen. Dieser Gedanke führt direkt zum Konzept des Activity-Based-Working, bei dem nicht der feste Platz, sondern die jeweilige Tätigkeit über den passenden Arbeitsort entscheidet. Vertiefend dazu lohnt unser Beitrag zu Activity Based Working und ergänzend Desk Sharing: Flexibilität am Arbeitsplatz neu gedacht.

So setzen Sie Desk-Sharing im Sommer um

Eine pragmatische Einführung in fünf Schritten, die sich auch in kleinen Teams umsetzen lässt:

  1. Auslastung messen: Erfassen Sie über zwei bis drei Sommerwochen, wie viele Plätze tatsächlich besetzt sind. Schon eine einfache Strichliste oder ein Buchungstool liefert die Datenbasis für die richtige Sharing-Ratio.
  2. Zonen statt Sitzplätze planen: Teilen Sie die Fläche in klar erkennbare Bereiche: stille Fokusplätze, Plätze für kollaboratives Arbeiten, Telefon- und Videokabinen, informelle Treffpunkte. So weiß jeder, wohin er für welche Aufgabe geht.
  3. Clean-Desk-Prinzip einführen: Geteilte Plätze funktionieren nur, wenn sie abends frei geräumt sind. Persönliche Gegenstände wandern in abschließbare Spinde oder Rollcontainer, die jedem flexibel zur Verfügung stehen.
  4. Technik flexibel machen: Höhenverstellbare Tische, Docking-Stations und einheitliche Monitore sorgen dafür, dass jeder Platz in Sekunden ergonomisch passt. So wird der geteilte Schreibtisch für jeden zum guten Arbeitsplatz.
  5. Buchung und Spielregeln klären: Ein einfaches Buchungssystem und transparente Regeln, etwa für Stammtage einzelner Teams, verhindern Frust und das gefürchtete Platzchaos.

Wie sich hybrides Arbeiten ohne Reibungsverluste organisieren lässt, beleuchten wir ausführlich in unserem Beitrag zu hybridem Arbeiten ohne Platzchaos und warum smarte Planung den Unterschied macht.

Flexible Zonen statt starrer Sitzordnung

Der größte Hebel von Desk-Sharing liegt nicht im Wegsparen von Tischen, sondern im Gewinn an Funktion. Wenn Flächen frei werden, lassen sie sich in das verwandeln, was im klassischen Büro oft fehlt: ruhige Räume für konzentriertes Arbeiten, gut ausgestattete Besprechungsbereiche und Zonen, die Begegnung und Austausch fördern.

Dieses zonierte Konzept steigert die Produktivität, weil jede Aufgabe ihren passenden Ort bekommt, und es macht das Büro attraktiver, ein nicht zu unterschätzender Faktor für Employer Branding. Akustik spielt dabei eine zentrale Rolle: Offene, geteilte Flächen brauchen schallabsorbierende Elemente und klar getrennte Ruhebereiche, damit Flexibilität nicht in Lärm umschlägt. Wie Sie Zonen sinnvoll schneiden, zeigt unser Artikel zu Zonen schaffen, Fokus fördern: Activity Based Working richtig nutzen.

Ergonomie und Akzeptanz nicht vergessen

Ein häufiger Stolperstein: Geteilte Plätze werden als Verschlechterung empfunden, wenn die Ausstattung nicht stimmt. Wer von seinem festen, perfekt eingestellten Stuhl an einen beliebigen Platz wechseln soll, verliert schnell die Motivation. Deshalb gehört zu jedem Desk-Sharing-Konzept eine durchdachte ergonomische Grundausstattung: schnell verstellbare Stühle, höhenverstellbare Tische und eine einheitliche, intuitiv bedienbare Technik an jedem Platz.

Genauso wichtig ist die Kommunikation. Beziehen Sie das Team früh ein, erklären Sie den Nutzen und sammeln Sie während der Sommerphase aktiv Feedback. Akzeptanz entsteht, wenn Mitarbeitende merken, dass Flexibilität ihnen mehr Auswahl und bessere Räume bringt, statt nur den eigenen Schreibtisch zu nehmen.

Häufige Fragen

Was bedeutet Desk-Sharing genau?

Desk-Sharing bedeutet, dass Arbeitsplätze nicht mehr fest einer Person zugeordnet sind, sondern flexibel von mehreren Mitarbeitenden genutzt werden. Da durch hybrides Arbeiten selten alle gleichzeitig vor Ort sind, genügen oft weniger Plätze als Personen, typisch sind etwa sieben Plätze für zehn Mitarbeitende. Die frei werdende Fläche wird für Fokus-, Besprechungs- und Begegnungszonen genutzt.

Wie viele Arbeitsplätze brauche ich bei Desk-Sharing?

Die richtige Anzahl ergibt sich aus der tatsächlichen Auslastung. Messen Sie über mehrere Wochen, wie viele Plätze real besetzt sind. In vielen Büros liegt die Spitzenbelegung bei 60 bis 80 Prozent, woraus sich eine Sharing-Ratio ableiten lässt. Der Sommer eignet sich besonders gut, um diese Daten ohne Störung des Betriebs zu erheben.

Lohnt sich Desk-Sharing für kleine Unternehmen?

Ja. Gerade KMU profitieren, weil Flächenkosten stark ins Gewicht fallen. Schon ab wenigen hybrid arbeitenden Mitarbeitenden lassen sich Plätze sinnvoll teilen und die gewonnene Fläche für produktivitätssteigernde Zonen nutzen. Entscheidend ist ein durchdachtes Konzept aus Ergonomie, Akustik und klaren Spielregeln, nicht die reine Reduktion von Tischen.

Wie vermeide ich Chaos und Unzufriedenheit beim Desk-Sharing?

Mit klaren Strukturen: ein einfaches Buchungssystem, das Clean-Desk-Prinzip mit persönlichen Spinden, definierte Zonen für unterschiedliche Tätigkeiten und einheitliche, ergonomische Technik an jedem Platz. Ebenso wichtig ist, das Team früh einzubinden und Feedback ernst zu nehmen. So wird Flexibilität als Gewinn und nicht als Verlust erlebt.

Fazit: Aus leeren Schreibtischen wird ein besseres Büro

Die ruhigen Sommermonate sind die beste Gelegenheit, hybrides Arbeiten und Desk-Sharing in Ruhe zu erproben. Wer jetzt die Auslastung misst, Zonen plant und auf Ergonomie und Akzeptanz achtet, startet im Herbst mit einem Büro, das Fläche effizient nutzt, Kosten senkt und die Produktivität steigert. Aus leeren Schreibtischen wird so kein Sparmodell, sondern ein durchdachtes Raumkonzept, das Mitarbeitende anzieht und hält.

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