Erkältungssaison im Büro: Was beim Raumklima wirklich zählt

Ab Oktober steigen die Krankmeldungen, und mit ihnen die Ratschläge zu Pflanzen und Luftbefeuchtern. Belegt ist etwas anderes: Luftwechsel, Temperatur und Zugluftfreiheit. Was das für die Planung Ihres Büros bedeutet.

Im Herbst füllen sich die Krankenstandslisten, und mit ihnen die Ratgeberlisten. Von diesen Ratschlägen hält beim Raumklima im Büro nur ein kleiner Teil stand: Luftwechsel, Temperatur und Zugluftfreiheit. Das sind Planungsthemen und keine Deko-Themen, und damit über das Layout beeinflussbar.

Die Erkältungssaison in Zahlen: Herbst, Atemwege, Entgeltfortzahlung

Laut WIFO-Fehlzeitenreport 2026 bringt der Herbstanfang regelmäßig im September ein neues Hoch an Krankenständen, die Spitze folgt im Jänner und Februar. Im Oktober 2025 verzeichneten 15,3 Prozent der Angestellten einen Krankenstand. Atemwegserkrankungen sind die größte Einzelursache: 3,6 der durchschnittlich 14,7 Krankenstandstage je unselbständig Beschäftigtem entfielen 2025 auf sie. Für Angestellte, die Zielgruppe im Büro, lag der Gesamtwert bei 12,6 Tagen.

Dramatisieren muss man das nicht, die Krankenstände sind zuletzt gesunken, 2025 um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Was bleibt, ist die Kostenseite: 2024 lagen die direkt zurechenbaren Krankenstandskosten bei 6,2 Milliarden Euro, davon 5,0 Milliarden Euro Entgeltfortzahlung der Betriebe inklusive AUVA-Zuschuss und 1,2 Milliarden Euro Krankengeld. Jeder vermiedene Ausfalltag entlastet die Entgeltfortzahlung der Betriebe, siehe auch so bleiben Ihre Mitarbeitenden fit und gesund.

Luftwechsel: der belegte Zusammenhang beim Raumklima im Büro

Ein multidisziplinäres Review in der Fachzeitschrift Indoor Air (Sundell et al. 2011) kommt zu dem Ergebnis, dass niedrigere Lüftungsraten mit mehr Atemwegsinfekten und mehr Kurzkrankenständen einhergehen. Die Autoren nennen die Datenlage selbst begrenzt, der Befund beschreibt einen Zusammenhang, keine Kausalität.

Wie gut gelüftet wird, zeigt die CO2-Konzentration. Die BMK-Richtlinie 2024 nennt für Büros einen Richtwert von 1.000 ppm im Tagesmittel, der Zielwert liegt bei 800 ppm. Die Arbeitsinspektion hält fest, dass dieser Wert einzuhalten ist und dass erhöhte CO2-Konzentrationen hygienisch inakzeptabel und der Leistungsfähigkeit abträglich sind. Der CO2-Wert ist dabei ein Lüftungsindikator und kein Schadstoffgrenzwert. Er stammt aus einer Richtlinie, die Arbeitsstättenverordnung selbst kennt für Büros keinen CO2-Wert.

Beim Frischluftvolumen lohnt ein genauer Blick: Die 35 Kubikmeter Außenluft pro Person und Stunde (§ 27 Abs. 3 Z 1 lit. a AStV) gelten nur für ausschließlich mechanisch be- und entlüftete Räume. Das fenstergelüftete KMU-Büro fällt unter § 27 Abs. 4 AStV, ohne Zahlenwert. In diesen Büros zählt Stoßlüften, laut AUVA am wirksamsten über gegenüberliegende Fenster.

Temperatur und Zugluft sind im Büro geregelt

Zwei Werte der Arbeitsstättenverordnung steuern das Layout stärker als erwartet: 19 bis 25 Grad Celsius für Büroarbeit (§ 28 Abs. 1 Z 1 AStV) und höchstens 0,10 Meter pro Sekunde Luftgeschwindigkeit an ortsgebundenen Arbeitsplätzen (§ 28 Abs. 3 AStV). Der zweite Wert sorgt im Winter für den eigentlichen Konflikt: Wer zum Lüften auffordert, die Arbeitsplätze aber in die Fenster- oder Lüftungsachse gestellt hat, bekommt Zugluftbeschwerden und im Zweifel einen Verstoß. Gelöst wird das bei der Anordnung der Arbeitsplätze, siehe Zonen schaffen, Fokus fördern.

Die Temperatur wirkt außerdem auf die Luftfeuchte: Pro rund 2 Grad mehr Raumtemperatur sinkt die relative Feuchte um etwa 5 Prozentpunkte, von 40 Prozent bei 20 Grad auf rund 30 Prozent bei 24 Grad (baua: Fokus, Dezember 2024). Wer auf 24 Grad heizt, erzeugt also genau die trockene Luft, über die sich Teams im Winter beschweren.

Luftfeuchtigkeit im Büro: Was belegt ist und was nicht

Eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 70 Prozent schreibt § 28 Abs. 5 AStV nur vor, wenn eine Klimaanlage verwendet wird, und auch dann nur, sofern dem nicht produktionstechnische Gründe entgegenstehen. Für fenstergelüftete Büros ist dieser Bereich eine arbeitsmedizinische Empfehlung.

Beim Thema Erkältung lohnt Präzision. Im Labor gilt als gesichert, dass Influenzaviren bei trockener Luft eine höhere Aktivität und Infektiosität zeigen. Für reale Arbeitsräume folgt daraus kein Automatismus: Der deutsche Arbeitsschutz hält fest, dass eine erhöhte Übertragbarkeit von Viren auf Beschäftigte durch zu geringe Luftfeuchte nicht nachgewiesen ist, und rät zur Infektionsprävention ausdrücklich zu Lüftung statt zu Befeuchtung (DGUV FBVW-502, Februar 2024).

Sinnlos ist Befeuchtung deshalb nicht, sie hat eine andere Begründung: Die AUVA empfiehlt sie im Winter und argumentiert mit Behaglichkeit und elektrostatischer Aufladung, die unterhalb von etwa 30 Prozent relativer Feuchte zunimmt. Sie ist unangenehm, gesundheitlich aber unbedenklich. Wenn Sie befeuchten: mindestens 40 Prozent und im Betrieb nicht über rund 60 Prozent bei 22 Grad, dazu saubere Anlagenhygiene.

Pflanzen und die Luftqualität am Arbeitsplatz

Eine Richtigstellung, die wir als Planer von Biophilic Design ungern schreiben: Topfpflanzen verbessern die Luftqualität am Arbeitsplatz nicht messbar. Eine Auswertung von 12 Kammerstudien mit 196 Einzelergebnissen kommt auf einen Median von 0,023 Kubikmetern gereinigter Luft pro Stunde und Pflanze, die Einzelergebnisse streuen über mehrere Größenordnungen (Cummings und Waring 2020). Um den Abbau flüchtiger organischer Verbindungen zu erreichen, den der normale Luftwechsel eines Gebäudes ohnehin leistet, bräuchte es 10 bis 1.000 Pflanzen pro Quadratmeter Bodenfläche. Die viel zitierte NASA-Studie von 1989 (Wolverton et al.) lief in abgedichteten Kammern ohne Luftaustausch und ist auf reale Büros nicht übertragbar.

Der Nutzen der Pflanzen liegt woanders: In Feldexperimenten in britischen und niederländischen Büros berichteten Beschäftigte in begrünten Räumen von höherer Arbeitsplatzzufriedenheit, besserer Konzentration und besser wahrgenommener Luftqualität (Nieuwenhuis et al. 2014). Dazu kommen Raumgliederung, Sichtschutz und Akustik, mehr dazu unter Biophilic Design als Erfolgsfaktor im Büro.

Der Raumklima-Check vor der Hochsaison

In unseren Projekten hat sich diese Reihenfolge bewährt, eingebettet in eine größere Strategie für Wellness am Arbeitsplatz:

  1. Erst messen. Je ein CO2-Messgerät im Besprechungsraum und im dichtest belegten Bereich zeigt binnen einer Woche die Spitzen.
  2. Lüftungsrhythmus festlegen. Stoßlüften über gegenüberliegende Fenster, an diesen Spitzen orientiert, mit einer Zuständigkeit je Raum.
  3. Heiztemperatur senken. Jedes Grad weniger bringt relative Luftfeuchte zurück, Befeuchtung kommt erst danach.
  4. Arbeitsplätze aus der Zugluftachse nehmen. Weg von Lüftungsauslass und Stoßlüftungsfenster.
  5. Licht mitdenken. Ab der Zeitumstellung beeinflusst auch die Beleuchtung die Konzentration, dazu folgt ein eigener Beitrag.

Häufige Fragen

Wie oft muss ich im Winter mein Büro lüften?

Orientieren Sie sich an der CO2-Konzentration statt an einem festen Intervall. Der Richtwert für Büros liegt bei 1.000 ppm im Tagesmittel, der Zielwert bei 800 ppm (BMK-Richtlinie 2024). Am wirksamsten ist Stoßlüften über gegenüberliegende Fenster.

Brauche ich im Büro einen Luftbefeuchter?

Für den Infektionsschutz lässt sich das nicht begründen, als Komfortthema schon. Der Arbeitsschutz rät zur Infektionsprävention zu Lüftung statt Befeuchtung, die AUVA empfiehlt Befeuchtung im Winter wegen Behaglichkeit und Elektrostatik. Wenn Sie befeuchten, gilt: mindestens 40 Prozent, höchstens rund 60 Prozent bei 22 Grad.

Reinigen Pflanzen im Büro die Luft?

Nein, dafür reicht ihre Leistung nicht: Der Median liegt bei 0,023 Kubikmetern gereinigter Luft pro Stunde und Pflanze, nötig wären 10 bis 1.000 Pflanzen pro Quadratmeter Bodenfläche (Cummings und Waring 2020). Für Wohlbefinden und Akustik sind sie trotzdem sinnvoll.

Fazit: Raumklima ist Planung

Beim Raumklima im Büro zählt, was sich messen und planen lässt: Luftwechsel, Temperatur im Korridor von 19 bis 25 Grad und Arbeitsplätze, an denen niemand im Zug sitzt. Das wirkt, bevor ein Umbau überhaupt ansteht.

Beim Arbeitsplatz-Check vor Ort prüfen wir CO2-Verlauf, Temperatur, Luftbewegung und die Anordnung Ihrer Arbeitsplätze. Sie bekommen daraus eine priorisierte Maßnahmenliste. Vereinbaren Sie Ihr Beratungsgespräch unter +43 670 5537511 oder office@livingofficedesign.at. Ihre Büroeinrichtung. Alles aus 1 Hand!

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